Rekonstruktion eines Archaischen Hopliten

Wir kennen alle den Klassischen Hopliten mit einem meist geraden nach hinten laufenden Helmbusch, und einem bronzenen Muskelpanzer oder einem Linothorax. Ich will eine seltenere Darstellung zeigen: einen schwer gepanzerten Promachos aus der Archaischen Epoche um 750 v.Chr. An der Farbe der Bekleidung und besonders am Schildemblem kann man erkennen, dass es sich um einen Hopliten des Stadtstaates Lakonien (Sparta) handelt. Um jemanden zu erklären was der Unterschied ist zwischen einem Klassischen Hopliten und einem Archaischen ist, reicht es meist schon aus nur die Rüstung (Panoplia) zu begutachten. Ich beschränke mich bei dem Vergleich außerdem nur auf den Militärischen Teil und lasse den Zivilen außen vor.

Archaischer Hoplit im Profil mit Kurzschwert und Schild

Die Rekonstruktion der Rüstung an sich ist nach heutigen Standards bei Living-History Gruppen und auch in Museen eine Seltenheit. Daher kann man leider auf nicht viele detaillierte Quellen zurückgreifen und muss in der Rekonstruktion viel ausprobieren in der Hoffnung, dass es so im Original war. Zwar gibt es Ausgrabungen und Keramiken mit Darstellungen, jedoch sind dort Kleinigkeiten wie z. B. Schnürrungen und Halterungen so wie Gewicht und Beweglichkeit der Rüstungsteile nicht nachvollziehbar. Meistens merkt man erst nach der Fertigstellung Ungereimtheiten oder Verbesserungsmöglichkeiten und muss deshalb die Stücke noch einmal umbauen.

Detailansicht der Torso- und Armpanzerung

Die Panoplia des archaischen Hopliten besteht aus den folgenden Rüstungsteilen. Zum Schutz des Kopfes ein Helm vom korinthischen Typ mit großen Augenaussparungen. Den Helm Busch gab es in verschiedenen Ausführungen, ich habe mich für den J Typ entschieden. Wenn der Helmbusch zu hoch wird - wie mein erster Versuch - schränkt er den Träger auf Grund des Gewichtes und des Windwiderstandes schnell beträchtlich ein. Der Torso wird von einem Glockenpanzer geschützt, dessen Name auf die Form zurückzuführen ist. Des Weiteren waren Oberarmschienen und Unterarmschienen Bestandteil der Ausrüstung. Die Mitra ( Genitalschutz ), ein etwas kürzerer Lederschutz in Gürtelform um die Taille, sowie Oberschenkel-, Fußrücken-, und Fersenschützer wie auch die Beinschienen komplettieren die Gesamtausstattung des schwer gepanzerten Hopliten. Viele Schnürrungen und Halterungen sind nötig um speziell die Oberarmschiene oder die Oberschenkelschützer zu fixieren. Zudem sind Reibungspunkte wie die Achillessehne und der Knöchel mit Stoffresten zu umwickeln. Wichtig ist, dass alles fest geschnürt ist, auch wenn mal das eine oder andere Lederbändchen reist. Die Bewaffnung dieses von oben bis unten in Metall gekleideten Soldaten bestand aus einem Aspis (Schild), einem Dori (Stoßlanze mit Lanzenschuh), und einem Wurfspeer (ohne Speerschuh), sowie einem Kurzschwert (Xiphidion).

Detailansicht des Beinzeugs

Schwachpunkte der Panzerung waren der Hals, die Augen, die Arm- und Kniekehlen. Hinderlich waren zudem das hohe Gewicht (gute 30 kg)und die Unbeweglichkeit der Rüstung, was dazu führte, dass die Krieger der folgenden Epochen - der Klassik und des Hellenismus - in Sachen Rüstung umdenken mussten und diese leichter bzw. weniger wurde.

Archaischer Hoplit Gesamtansicht mit Lanze und Schild

Meine Persönliche Erfahrung mit meiner Archaischen Darstellung ist, dass wirklich viel umgebaut wird und immer neu angepasst werden muss, da man erst im Marsch oder in der Phalanx merkt wo etwas reibt oder scheuert. Hinzu kommen noch die Wetterverhältnisse wie Wind oder heißer Sommer. Alles in allen ist es unerträglich heiß und schwer in solch einer Rüstung im Vergleich zu der des klassischen Hopliten. Ich persönlich würde die Ausrüstung eines klassischen Hopliten vorziehen, jedoch strahlt der archaische Hoplit durch seine massive Rüstung und seine Seltenheit eine unheimliche Präsenz aus. Das Gefühl, das der großzügige Körperschutz erzeugt ist mit dem Klassischen Hopliten nicht zu erreichen.

Fotos by Photoniro