Das Spiel Phaininda

„Dem Serapion, einem der jungen Leute vom Ballspiel, gab er nichts, weil er ihn um nichts bat. Nun kam Serapion einmal zum Ballwerfen, schleuderte jedoch den Ball immer anderen Mitspielern zu. „Mir gibst du ihn nicht?“ fragte nun endlich der König. „Natürlich“, erwiderte Serapion, „du bittest ja nicht!“ Alexander lachte und gab ihm nunmehr ein großartiges Geschenk.“

– Aus Alexander der Eroberer, Plutarch

Die Fakten

Über das antike Spiel Phaininda ist leider nicht viel bekannt. Es existieren lediglich Fragmente, aus denen die Regeln nicht klar hervorgehen. Folgende Dinge können aus den Quellen heraus gelesen werden:

  • Es haben zwei Mannschaften gegeneinander gespielt
  • Gespielt wurde mit einem oder mehreren kleinen Bällen
  • Der Mitte des Spielfelds kam wohl in irgendeiner Weise eine besondere Bedeutung zu
  • Das Abspielen des Balles war wohl Teil des Spiels
  • Die Eroberung des Balles konnte äußerst brutal von statten gehen

Rekonstruktion der Ausrüstung

Der Rest der Regeln ist leider nicht überliefert. Dennoch versuchen wir eine Rekonstruktion der möglichen Regeln, damit eine spielbare Variante entsteht. Die Mannschaftsgröße wurde frei auf fünf Spieler pro Team festgelegt. Das ist klein genug, um noch die Übersicht zu behalten, aber erlaubt trotzdem genug Taktik im Spielaufbau. Außer den Spielern werden noch zwei Schiedsrichter benötigt, die das Spielgeschehen überwachen. Um die Mannschaften zu unterscheiden tragen die Spieler farbige Stirnbänder in den Mannschaftsfarben.

Um eine Eingrenzung des Geschehens zu ermöglichen erscheint es logisch, dass ein abgegrenztes Spielfeld existiert hat. Ausgehend von der besonderen Bedeutung des Mittelfeldes macht es Sinn das Mittelfeld besonders abzugrenzen. Auf dieser Basis wurde eine einfache mögliche Spielfeldform erdacht, die in Abb.1 zu sehen ist.

Das Spielfeld

Abb.1 Aufteilung des Spielfelds

Die Spielfeldlänge wurde entsprechend der Anzahl an verfügbaren Spielern pro Mannschaft gewählt und betrug ungefähr 20 Schritte in der Breite und 40 Schritte in der Länge. Das Mittelfeld misst dabei 10 Schritte Breite. Markiert wird das Spielfeld durch farbige Pfosten. Die Äußeren Ecken des Spielfeldes werden mit Pfosten in Mannschaftsfarbe markiert, das Mittelfeld mit weißen Pfosten, die einen Streifen in der Mannschaftsfarbe des angrenzenden Spielfeldes haben.

Aufbau des Spielfelds

Abb.2 Aufbau des Spielfelds

Damit die Spieler und das Publikum den aktuellen Punktestand nachvollziehen können, wird eine Art Anzeigetafel benutzt. Dabei handelt es sich um ein Seil, das zwischen zwei Pfosten gespannt ist. Darauf werden dann farbige Stoffbänder in Mannschaftsfarbe gebunden, wenn ein Punkt erzielt wurde.

Gespielt wird mit einem ledernen Ball, der mit Wolle gefüllt ist. Eine entsprechende Bauanleitung gibt es hier.

Die Regeln

Zu Beginn des Spiels befindet sich jede Mannschaft in ihrem eigenen Feld. Der Schiedsrichter bringt den Ball durch einen möglichst zentralen Wurf ins Mittelfeld ins Spiel. Ab diesem Moment können sich die Spieler frei im Spielfeld bewegen.

Ein Punkt wird erzielt, wenn es gelingt, einen erfolgreichen Pass von einem Außenfeld in das Mittelfeld zu werfen. Pässe innerhalb des Mittelfeldes haben keine Auswirkung.

Nach einem Punktgewinn muss die punktende Mannschaft den Ball abgeben und die gegnerische Mannschaft bekommt den Ball in ihrem eigenen Feld. Das erfolgreiche Team darf nun auch das Mittelfeld besetzen, da es sonst zu schwierig wäre direkt einen Punkt zu verhindern.

Wenn ein Spieler mit dem Ball, oder der Ball alleine, das Spielfeld verlässt gibt es einen Einwurf für die Mannschaft, die den Ball nicht zuletzt berührt hat, genau wie beim Fußball. Der Einwurf wird von der eigenen Grundlinie ausgeführt.

Das Spiel endet entweder nach dem erreichen einer bestimmten Punktzahl oder nach einer festgelegten Zeitperiode. Steht es nach Ablauf der Zeit unentschieden, so entscheidet der nächste Punkt als „Sudden Death“.

Wie nun Eingangs erwähnt konnte die Eroberung des Balls äußerst brutal vonstatten gehen. Aus den Quellen lässt sich schließen, dass so gut wie jede Form von unbewaffnetem Kampf erlaubt war, um den Gegner am Passen oder Fangen zu hindern. Da wir das Spiel allerdings als Hobby betreiben, wurden folgende Beschränkungen eingeführt:

  • Keine Schläge oder Tritte
  • Kein Beinstellen

Grundsätzlich sollte das Spiel Allen Spaß machen und deshalb auf andere zu brutale Methoden verzichtet werden, die nicht speziell aufgelistet wurden. Dabei wird auf die Vernunft der Spieler selber vertraut. Falls es einmal zu gefährlichen Situationen kommen sollte, kann der Schiedsrichter jederzeit das Spiel stoppen. Dies geschieht auch dann, wenn z.B. der Ball unter einem Spieler auf dem Boden fest geklemmt ist und nicht mehr spielbar ist. Um anzuzeigen, wann das Spiel läuft bzw. gestoppt wird, verfügt der Schiedsrichter über eine kleine Hornpfeife.

Fazit und Eindrücke

Das entstandene Spiel kam sowohl beim Publikum, als auch bei den Spielern sehr gut an. Auch wenn ein Großteil der Regeln selbst erdacht ist, gibt es doch einen Einblick, wie das Spiel damals ausgesehen haben könnte. Hier noch ein paar Fotos vom ersten offiziell dokumentierten Phainindra Spiel seit wohl über 1500 Jahren. Team Thrakien in Blau gewann gegen Team Makedonien in Rot mit 12:09.